21.01.2018

Die Lichtenstern-Tour ist das Markenzeichen

Der Auftaktworkshop zur Schülergenossenschaft wird jedes Jahr mit den Zehntklässlern und den neuen Azubis der VR-Bank durchgeführt. Mit dabei sind Schüler, Lehrer, Azubis und Führungskräfte.
Bei "EventStar" haben Fiona Eppler und Huriye Yollu (rechts) auch gelernt, dass für die Buchhaltung Belege gesammelt werden müssen.

Schwerpunkt Genossenschaften Die Schülerfirma "EventStar" des Lichtenstern-Gymnasiums hat sich zum Organisator großer Events gemausert.

 

 

von Sandra Bildmann, Bietigheimer Zeitung vom 20.01.2018

 

 

Wenn Huriye Yollu und Fiona Eppler beginnen, von der Schülerfirma am Lichtenstern-Gymnasium Sachsenheim (LGS) zu reden, geraten sie ins Schwärmen. Im vergangenen Jahr waren die jetzigen Elftklässlerinnen gar Vorstandsmitglieder bei „EventStar“. Das Unternehmen wird traditionell von Zehntklässlern geleitet.

 

Im Schuljahr 2012/2013 hat das LGS eine Schülerfirma gegründet, die sich an der Rechtsform einer Genossenschaft orientiert. „Diese Form taucht in Bildungsplänen kaum auf“, schildert Helmut Dinkel. Der stellvertretende Schulleiter unterrichtet Wirtschaft und betreut die Genossenschaft. Statt in der Theorie lernen die Schüler das System in der Praxis kennen.

 

Am Lichtenstern-Gymnasium hat sich im Laufe der Jahre ein festes Programm entwickelt. Ausgangspunkt war die Radtour: Die Lichtenstern-Tour wurde 2007 von der damaligen Schülerfirma zum ersten Mal organisiert und ist auch bei „EventStar“ das Herzstück. Inzwischen sorgt die Schülergenossenschaft bei den traditionellen Schulveranstaltungen „Jazz im Foyer“ im November und den Sachsenheimer Wirtschaftsgesprächen für das Catering und Marketing. So profitiert neben den Schülern auch die Schule: Bei den Veranstaltungen gebe es eine klare Zuordnung bei der Organisation, freut sich Dinkel. „EventStar“ gliedert sich grob in Einkauf, Marketing und Finanzen.

 

Für die BZ wühlen Huriye Yollu und Fiona Eppler noch einmal in den Unterlagen. Die korrekte Verbuchung der Geldtransaktionen auf dem Schülerfirmenkonto gehörte für sie ein Jahr lang dazu. Die Zehntklässler mit Ökonomie-Profil können zwischen mehreren Projekten auswählen. Die beiden Mädchen hatten sich für„EventStar“ entschieden, mittlerweile besuchen die beiden 17-Jährigen die elfte Klasse. „In der Schule lernt man sonst sehr viel Theorie. Die Schülergenossenschaft steht in Verbindung mit dem echten Leben“, ist Yollu begeistert. Man lerne, mit Geld umzugehen und stets den Überblick zu behalten. Auch wegen der Erfahrungen in der Schülergenossenschaft hat die Sachsenheimerin nun in der Oberstufe Wirtschaft als Kernfach gewählt.

 

Persönlich gefordert

Die beiden betonen das erforderliche Miteinander und den Zusammenhalt. „Jeder muss sich auf den anderen verlassen können“, sagt Yollu, Eppler ergänzt: „Zuverlässigkeit, Vertrauen, Eigenständigkeit und Eigeninitiative sind gefragt.“ Man müsse aktiv werden und Entscheidungen treffen, ohne dass eine Lehrperson konkrete Vorgaben mache. Diese Eigenständigkeit zu fördern, ist auch Dinkels Anliegen: „Mir ist wichtig, dass es das Werk der Schüler ist.“ So würden sich die Schüler im Klaren darüber, dass das eigene Handeln Folgen und Konsequenzen hat.

 

Fiona Eppler hat noch einen anderen Vorteil entdeckt: „Die Bestätigung der eigenen Stärken.“ Das Kreative sei nicht so ihr’s, meint sie. Im Rahmen der Schülergenossenschaft konnte sie sich im Finanzwesen erproben und hat festgestellt, dass sie sich dort gut wiederfinden kann.

 

Diese außergewöhnliche Phase im Schulalltag hält auch für Helmut Dinkel als Lehrer Überraschungen parat. „Es gibt Schüler, die im Unterricht eher still sind, aber hier ungeahnte Talente zeigen. Man bekommt ein anderes Bild von einem Schüler“, erzählt Dinkel, der sich bei „EventStar“ als Berater sieht. Der Vorstand besteht ausschließlich aus Schülern; der Aufsichtsrat setzt sich aus einem Lehrer, einem Bietigheimer Unternehmer und einer Bankangestellten zusammen. Zur VR-Bank Neckar-Enz unterhalten die Schüler des LGS eine Bildungspartnerschaft.

 

Auch die Schülergenossenschaft trägt ein finanzielles Risiko, etwa wenn die Lichtenstern-Tour als Haupteinnahmequelle an einem nasskalt regnerischen Tag stattfindet – wie vor zwei Jahren. Um stets liquide zu bleiben, würden „Anteile geparkt“, sagt Dinkel. Jedoch sei man durch Förderer abgesichert, sodass eine jährliche Ausschüttung von 1000 Euro zugunsten der Gemeinschaftskasse möglich sei. Dieses Geld werde in der Regel für Ausgaben rund um die Abi-Feierlichkeiten verwendet. So haben am Ende alle etwas von der Schülergenossenschaft.

 

Termine