31.10.2017

Sachsenheimer Lutherweg 2017

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Elf Bild- und Texttafeln geben Einblicke in das facettenreiche Leben des Reformators Martin Luther. Zusammen ergeben sie den Sachsenheimer Lutherweg, der seit März auf dem Gelände des Lichtenstern-Gymnasiums installiert war, ab Juli auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg einem breiten Publikum zugänglich war und derzeit Teil der Reformationsausstellung im Sachsenheimer Kulturhaus ist.

 

Umgesetzt haben die Idee eines Lutherweges die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b am LGS. Vorbild waren die ökumenischen Jugendkreuzwege mit ihren meditativen Bildtafeln, die auf Initiative von Pastoralreferent Edmund Zwaygardt seit einigen Jahren auf dem Schulcampus aufgestellt werden und in der Passionszeit zum Innehalten einladen. Die ansprechenden Texte lieferten Schülerinnen und Schüler des vierstündigen Religionskurses von Religionslehrerin Elke Haas-Eiding.

 

In diesem Jahr also ein Lutherweg! Unter Leitung von Kunstlehrerin Cathrin Grimmer und Religionslehrer Tobias Schmitt entwarfen die Lichtensternschüler Informationstafeln, die den Wittenberger Reformator als durchaus ambivalente Person zeigen. Ohne reformatorische Erkenntnis keine Reformation. Deshalb wird Luthers eigene rückblickende Sicht seiner Bibelinterpretation des Römerbriefes auf der ersten Tafel illustriert. Die Wirkkraft der reformatorischen Aussagen wurde gerade auch von den Künstlern in Luthers Umgebung wiedergegeben, feinsinnig herausgearbeitet etwa in den Bildwerken von Lukas Cranachs und seiner Werkstatt. Station drei des Lutherweges gibt die Dialektik der Begriffe Gesetz und Gnade oder Gesetz und Evangelium wider. Wie hätte die Bildzeitung einen Luther und seine kritischen Anfragen an Kirche und Gesellschaft redaktionell verarbeitet? Wie könnte eine moderne Schreibstube Luthers aussehen und welchen Einfluss hatte er auf die deutsche Sprache? Auf Fragestellungen wie diese haben die Neuntklässler des Lichtenstern-Gymnasiums ihre Antworten festgehalten. Da ist ein Luther, der es versteht, die damals modernsten Möglichkeiten der Kommunikation zu nutzen. Die Schülerinnen und Schüler sind sich sicher, Luther würde heute twittern, hätte Millionen digitaler Follower im World Wide Web und würde sicher auch heute polarisieren, so wie er es vor 500 Jahren mit seinem Thesenanschlag tat.

 

Ganz humanistisch wollte Luther eine Rückbesinnung auf die christlichen Kerngedanken des Evangeliums. Seine reformatorische Botschaft wäre verpufft, hätte er nicht zahlreiche kluge Begleiter gehabt, die sein Anliegen auch in die deutschen Territorien außerhalb Sachsens trugen. Zu Recht findet sich im Reformationsweg daher eine Informationstafel, die sich den kirchlichen Veränderungen im Herzogtum Württemberg widmet und dabei die Leistungen des Schwäbisch Haller Reformators Johannes Brenz hervorhebt.

 

Obwohl die Reformation neben der Erfindung des Buchdruckes und der großen Entdeckungen einer der wichtigsten Mosaiksteine für den Beginn einer neuen Zeit war, ist den Schülerinnen und Schülern Luthers tiefe Verwurzelung in mittelalterlichem Denken aufgefallen. So etwa in der Frage nach der gesellschaftlichen Stellung jüdischer Bürger. Deutlich wird am Ende des Reformationsweges doch, dass Luther maßgeblich mitbeteiligt war, eine neue Zeit zu begründen, er aber noch ganz ein Mensch des Mittelalters war. So kann man Luther mit dem berühmten Bild des Angelus Novus vergleichen. Wie dieser Engel schaut Luther auf die Trümmer der Vergangenheit zurück und wird dabei von einem paradiesischen Wind in die Zukunft getrieben.

 

 

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